Blog-Geburtstag Tag 7 Johanna Jahnke, St. Pauli Rugby

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Auch Johanna gehört zu den großartigen Menschen, die ich im letzten Jahr kennengelernt habe. Kurz nachdem sie für das Projekt “we are vegans” bei meinem Freund von der Kamera stand, haben auch wir uns das erste Mal getroffen und seitdem sind noch viele weitere Male hinzugekommen. Und obwohl ich zugeben muss, dass ich eigentlich immer noch keine Ahnung von den Regeln des von ihr praktizierten Sports habe und mich beim Spiel-gucken des Öfteren frage, warum sich dieser oder jener Menschenhaufen bildet, finde es natürlich großartig, dass die FC St. Pauli Rugby Damenmannschaft mit Johanna eine vegane Mitspielern, und aktuell sogar Kapitänin, hat.

Da ich weiss, dass Johanna meine Seite mag und der FC St. Pauli der Einzig wahre Hamburger Verein ist, musste ich sie natürlich fragen, ob Sie Lust und Zeit hat sich mit mir zu meinem Blog-Geburtstag etwas zu überlegen. Herausgekommen ist folgendes Interview – danke, Johanna!

Hallo Johanna,
vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst mir ein paar Fragen zu beantworten.

Sehr gern liebe Sarah, für Dich immer.

1. Du spielst seit Ewigkeiten Rugby für den FC St. Pauli Rugby, warst mit diesem 7-fache Deutsche Meisterin, bist mittlerweile zweifache Mutter, Studentin und seit Jahren Veganerin. Vielleicht magst du uns zunächst erzählen, wann und warum du dich für eine vegane Lebensweise entschieden hast und wie du zum Rugby gekommen bist.
Vegan bin ich mit 17, also vor ziemlich genau 11 Jahren geworden. Ich war damals schon 5 Jahre Vegetarierin und fand das einfach nicht mehr konsequent genug. Einen großen Teil zu diesem Bewusstseinswandel hat der „Vegetarian Starterkit“ von PETA beigetragen. Eher zufällig hatte ich den damals in die Hände bekommen und war eigentlich sofort überzeugt, dass ich es zumindest mal ausprobieren sollte. Wie die meisten machte ich die Erfahrung, dass das gar nicht so schwer ist vegan zu leben und so bin ich bis heute dabei geblieben. Natürlich betrifft es schon lange nicht mehr nur die Ernährung, sondern auch alle anderen Lebensbereiche.

Zum Rugby bin ich mit 11 Jahren durch eine Freundin und einen Klassenkameraden gekommen. Erst wollte ich gar nicht, aber als ich dann beim Training war, habe ich mich sofort in den Sport verliebt. Beim Rugby habe ich gelernt, wie wunderbar es ist als Mädchen stark, selbstbewusst und mutig zu sein und das in einem ja sehr kritischen Alter. Innerhalb des Teams war der Umgang respektvoll und wir drei Mädchen wurden von den Jungs als ebenbürtig angesehen und behandelt. Das tolle beim Rugby ist halt auch, dass eigentlich jeder Spieler_innentyp seine Position findet. Die meisten Teams sind dadurch sehr bunt gemischt, in körperlicher, aber auch charakterlicher Hinsicht. Einige Frauen sind schon mutig und fit, wenn sie zu uns kommen, andere werden es dann durch’s Training und Spielen.

2. Du ernährst dich vegan mit einem hohen Rohkost-Anteil. Was isst du sehr oft/am liebsten und wie ernährst du deine Kinder?
Mein Tag beginnt eigentlich immer mit einem Grünen Smoothie, also einem Smoothie mit Früchten und irgendwas grünblättrigem drin (Spinat, Mangold, Kohlrabiblätter, Wildkräuter, etc). Das klingt erstmal merkwürdig, aber schmeckt eigentlich sehr gut. Mir ermöglicht es mit einem relativ geringem Aufwand schnell viele wichtige Nährstoffe aufzunehmen. Entwickelt wurden diese Grünen Smoothies von Victoria Boutenko.
Ansonsten essen die Kinder und ich im Moment ganz normal vegan, viel frisches Obst und Gemüse, aber natürlich auch mal gern Lasagne, Pizza oder Pommes. Grundsätzlich gilt bei mir zuhause aber: je unverarbeiteter das Lebensmittel, desto besser.

3. Noch mal zurück zum Rugby: hatte deine Ernährungsumstellung hin zum Veganismus Auswirkungen auf deine Leistungsfähigkeit? Was für Erfahrungen hast du mit veganer Ernährung und Hochleistungssport gemacht?
Ich habe immer zu den fittesten Spielerinnen gehört. Auch in den vier Jahren in denen ich für die Nationalmannschaft gespielt habe. Ich würde das jetzt nicht als Hochleistungssport bezeichnen, aber Ausdauer, Geschwindigkeit und Kraft müssen natürlich auch irgendwo herkommen. Ich habe immer schnell Muskelmasse aufbauen können und bin nach den beiden Babypausen mit Leichtigkeit wieder fit geworden. Da ich aber schon so lange vegan bin, kann ich gar nicht richtig vergleichen. Dass es mit der veganen Ernährung jetzt sehr gut funktioniert ist ja zu sehen.

4. Was rätst du anderen Sportler_innen, die ihre Ernährung gerne umstellen möchten? Hast du Empfehlungen, an welchen Stellen hilfreiche Informationen zum Thema vegane Ernährung und Sport zu finden sind?
Ernährung ist sehr individuell, deswegen rate ich eigentlich allen, sich selbst bei jeder Umstellung genau zu beobachten. Meistens sagt einem der eigene Körper deutlich was er gebrauchen kann. Deswegen ist es auch gut immer viel frisches Zeugs zu Hause zu haben, denn Gerüche und Farben von Obst und Gemüse sprechen unsere Sinne direkt an.
Wer es genauer wissen möchte, dem kann ich die folgenden Seiten empfehlen: www.veganhealth.org und www.veganfitness.net.

5. Gibt es eine Frage, die du schon immer mal in einem Interview beantworten wolltest, die dir jedoch leider nie jemand gestellt hat? (An dieser Stelle wüsste ich natürlich gerne die Frage und Antwort)
Puh. Schwierig. Bestimmt fällt mir was ein, wenn ich das Interview auf Deinem Blog sehe und dann ist es zu spät ;-)

6. Gibt es noch etwas, was du an dieser Stelle gerne loswerden möchtest?
Wer sich für den Einfluss der Ernährung auf unser Erbgut interessiert, könnte sich mal mit der Epigenetik befassen. Ein relativ neues, aber sehr spannendes Gebiet in der Biologie. In der ARD gibt’s da gerade einen gut verständlichen Beitrag.

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gepostet am by Sarah in Alles Andere, Blog

4 Antworten auf Blog-Geburtstag Tag 7 Johanna Jahnke, St. Pauli Rugby

  1. Birdie

    Liebe Johanna, vielen vielen Dank für den Link zu der Epigenetik! Ich habe mir die ganzen 30 Minuten gerade angehört, das ist ja superspannend!!

  2. Johanna

    Hey Birdie,
    ja, der Bericht ist unglaublich spannend. Ich finde Du hast ihn auf Deinem Blog auch sehr gut zusammengefasst. Dass unsere Ernährung uns sehr stark beeinflusst, ist ja mittlerweile keine Geheimnis mehr, aber dass sie eine direkte Auswirkung auf die Aktivierung unserer Gene UND die unserer Nachfahren hat, ist schon ziemlich krass.

  3. Bibi

    Ich bin der Auffassung, dass die Epigenetik mehr präsent sein sollte. Es sollte viel mehr Public gemacht werden. Ich habe sehr gespannt die Sendung angeschaut und bin richtig süchtig, nach gesundem Essen. Eine Freundin von mir ist Allergologin und die hat mich gelehrt immer auf meine Lebensmittel zu achten und auf meine Ernährung. Und das habe ich mir sehr verinnerlicht. Mein Kind ( 6 Jahre , besucht einen Waldkindi) und ich sind fast nie krank und ernähren uns sehr gesund.

  4. Zibzab

    hey, gibts den namen der sendung? der link funktioniert leider nicht mehr. beste grüße

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