Food Is Culture . . . Don’t Waste It, Cook It!

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Jährlich landen tonnenweise Lebensmittel im Müll und so ist es kaum verwunderlich, dass ”Containern” oder auch “Waste Diving”, das Herausfischen von Lebensmitteln aus dem Müll, in unserer Gesellschaft für einige Menschen die tägliche Nahrungszufuhr sichert. Allerdings gibt es auch eine ganze Reihe anderer Gründe sich dafür zu entscheiden, Lebensmittel aus dem Müll zu “retten”…

http://www.wastecooking.com

Als mich eine Leserin zufällig vor kurzem in einer E-Mail auf “wastecooking.com“, eine konsumkritische Kochshow aus Österreich, aufmerksam machte, war mein Interesse schnell geweckt und ich wollte mehr über das Projekt erfahren. So kam dann auch das folgende Interview mit David zustande, welches für euch hoffentlich ebenso interessant ist, wie für mich selbst.

Noch eine Kleinigkeit am Rande: Die Mädels und Jungs von wastecooking Containern auch unvegane (allerdings dennoch ausschließlich vegetarische) Lebensmittel, welche ich persönlich auch nicht für lau haben wollen würde. An dieser Stelle soll es jedoch nicht um die Frage gehen, welche Ernährungsweise “die Richtige” ist. Stattdessen habe ich mich mit David über die Gründe unterhalten die dafür sprechen aus vermeindlichem Müll leckere Mahlzeiten zu kreieren sowie die Probleme, in die sich unsere Gesellschaft -dank Verschwendungs- und Wegwerfwahn- immer weiter verstrickt.

Auf wastecooking.com kombiniert ihr Waste Diving und köstliche Rezepte. Erzählt doch mal kurz wer ihr seid und wie euer Projekt entstanden ist.

David

David: wastecooking ist eine konsumkritische Kochshow. Wir protestieren gegen die Lebensmittelverschwendung und kochen mit
Zutaten aus dem Abfall. wastecooking wurde im Mai 2012 gegründet, die Initialzündung war die Idee, den Mülltaucher-Ansatz mit dem typischen TV – Kochformat auf originelle Weise zu kombinieren. Wir sind ein Kollektiv aus Filmemachern, Mülltauchern, Köchen und einer Musikerin.

Warum ist Waste Diving für euch ein wichtiger Ansatz ist gegen die systematische Vernichtung von Lebensmitteln vorzugehen?

David: Die eigene, hautnahe Erfahrung war entscheidend. Als wir zum ersten Mal „wastediven“ oder „containern“ waren, haben uns die riesigen Mengen von frischen Lebensmitteln im Müll fast umgehauen. Wenn man das am eigenen Leib erlebt hat, und mit den eigenen Augen gesehen hat, dann lässt Einen das Thema nicht mehr kalt.

© http://www.wastecooking.com/Mit “Days in Trash” habt ihr einen eigenen Kurzfilm produziert. Wie kam es dazu und habt ihr mittlerweile noch weitere Videos gedreht?

David: „Days in Trash“ ist eine Zusammenfassung unserer ersten fünf Aktionen, die sich alle in Salzburg abgespielt haben. So haben wir im öffentlichen Raum gekocht, haben eine alternative Stadtführung mit Wastediver-Neulingen unternommen, haben einen trash-talk mit Experten zum Thema Lebensmittelverschwendung veranstaltet und noch einiges mehr. „Days in Trash“ zeigt unsere Arbeit in prozesshafter Form, es gibt die fünf Episoden auf unserer Seite aber auch einzeln als Internet-Serie zu sehen. Die Rezepte zu unseren Gerichten gibt es natürlich auch auf www.wastecooking.com.

Wie viele Lebensmittel landen denn überhaupt jährlich in der Tonne?

David: Die neuesten Zahlen gibt es immer von der Welternährungsorganisation FAO. Man geht davon aus, dass weltweit ein Drittel aller produzierten Lebensmittel weggeworfen wird, das sind 1,3 Milliarden Tonnen im Jahr, eine unfassbare Zahl. Allein in Deutschland sind es 20 Millionen Tonnen Lebensmittel im Jahr, das sind rund 500.000 Lastwagen voll.

Das sind wirklich gewaltige Dimensionen. Wo seht ihr die Hauptverantwortlichen für diese enorme Verschwendung? Ist es die Überproduktion oder sollten wir uns alle erst einmal an die eigene Nase fassen mit unserer Wegwerfmentalität?

© http://www.wastecooking.com/ © http://www.wastecooking.com/ © http://www.wastecooking.com/David: Weggeworfen wird überall. Auf den Feldern, auf den großen Märkten, in der Gastronomie, bei den Supermärkten und natürlich auch bei den Konsumenten. Entlang der ganzen Warenkette gehen ständig Lebensmittel verloren. Eine Gesamt-Lösung müsste alle Betroffenen mit ins Boot holen. Einzelne heraus zu greifen und zu den Schuldigen zu erklären, hilft nur wenig. Natürlich fängt man am besten beim eigenen Kühlschrank an.

Ist Waste Diving in Deutschland eigentlich illegal? Und wie sieht die rechtliche Situation bei euch in Österreich aus? Oder bewegt ihr euch immer in einer rechtlichen Grauzone?

David: Mülltauchen bewegt sich immer in einer rechtlichen Grauzone. In Deutschland wurden Wastediver bereits wegen Diebstahls und Besitzstörung angeklagt und teilweise auch verurteilt, andere wurden wiederum frei gesprochen. In Österreich gilt Abfall zwar grundsätzlich als herrenloses Gut, das Supermarkt-Gelände darf man aber trotzdem nicht einfach so betreten. Aus unserer Sicht ist der eigentliche Skandal, dass es legal ist frische Lebensmittel zu vernichten, es aber verboten ist, diese Lebensmittel aus den Tonnen zu „retten“.

In Österreich organisiert ihr auch regelmäßig Events. Was steht für 2013 an? Geht wastecooking auch mal außerhalb Österreichs auf Tour bzw. wird es Kooperationen mit anderen Städten/ Regionen geben?

David: Für 2013 planen wir die wastecooking-Europa-Tour. Details kann ich noch nicht verraten, nur soviel: Wir werden sechs Wochen lang nur von Lebensmitteln ernähren, die wir im Müll finden…

Gibt es etwas, dass ihr meinen LeserInnen noch mit auf den Weg geben wollt?

David: Food is culture… don´t waste it, cook it!

Danke an dich, David, dass du dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten. Ich wünsche euch ein tolles Jahr voll mit “gerettetem” Gemüse, vielen leckeren Mahlzeiten, gefüllten Mägen und natürlich viel Erfolg für eure Europa-Tour! 

 

Natürlich gibt es zum Thema Lebensmittelverschwendung noch eine ganze Menge mehr zu sagen. Wer sich weitergehend für das Thema interessiert, dem sei folgender Film ans Herz gelegt:

Taste the Waste

Außerdem findet ihr natürlich viele weitere Infos auf wastecooking.com sowie z.B. auch auf dumpstern.de oder dem englischen Blog wastedfood.com.

gepostet am by Sarah in Blog

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  1. Pingback: Schmausepost vom 15. Februar 2013 - Newsletter | Schmausepost

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