Vegan Reisen: Chile

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74 Tage sind mein Partner und ich inzwischen in Chile unterwegs. Morgen geht es für uns über die Grenze Huahum, ab nach Argentinien. Zeit für ein kleines Resümee in Sachen veganer Ernährung in diesem wunderschönen Land.

Santiago

Seit meinem ersten Besuch in Chile (im Jahr 2007) hat sich in Sachen veganer und vegetarischer Küche durchaus einiges getan. In Santiago de Chile sind viele vegane Restaurants, Cafés sowie einige kleine, rein pflanzliche Reformhäuser aus dem Boden geschossen. Alleine in der Hauptstadt finden sich derzeit auf HappyCow fast 30 Einträge mit rein veganen Restaurants. Darunter veganisierte typisch chilenische Küche, als auch internationale Restaurants (die z.B. indische Küche, vegane Pizzen usw. anbieten). Vegane Streetfood Optionen sind jedoch auch in Santiago weiterhin eine Seltenheit. Mit etwas Glück findet sich aber trotzdem z.B. die ein oder andere vegane Empanada oder vegane Hot Dogs.

Allerdings ist Santiago ein Einzelfall. Denn, ebenso wie andere Länder Lateinamerikas, ist auch Chile ein sehr zentralisiertes Land. Dies bedeutet auch, dass viele Dinge (dies bezieht sich nicht nur auf rein pflanzliche Restaurants und erhältliche Lebensmittel) ausschließlich in der Hauptstadt zu finden sind.

Typisch chilenisch: Empanadas Fritas – allerdings selbstgemacht statt gekauft. Das Rezept findet ihr bald auf dem Blog.

Der Rest des Landes

Dennoch hat sich auch in anderen größeren Städten (wie z.B. Concepción) sowie stärker vom Tourismus geprägten Ortschaften (z.B. Pucón) einiges getan. Auch hier finden sich inzwischen mehr Optionen vegan zu essen sowie einzukaufen, wenn auch nicht immer ohne ein Weilchen zu Suchen.

In den kleinen Orten und Dörfern, welche fernab der typischen Touristen Ziele liegen, ist es weiterhin schwer bis komplett unmöglich vegane Speisen zu finden, welche man nicht selbst zubereitet hat.

Wer diesen schönen Ausblick auf den Rio Mataquitos genießen möchte, muss selbst kochen.

Restaurants und vegane Einkaufsmöglichkeiten finden

Auf der Suche nach veganen sowie vegetarischen Speisen sind die folgenden Websites & Apps eine gute Fundgrube:
Happy Cow (ENG)
VegGuide (ENG)
HazteVeg (ES)

Reisen mit oder ohne Outdoor Kocher?

Vor einer Reise durch Chile sollte man sich überlegen, in welchen Regionen man unterwegs ist. Geht es nur in die Hauptstadt sowie an typisch touristische Ziele, müssen auch nicht zwangsweise ein Outdoor Kocher plus entsprechende Utensilien zur Essenszubereitung ins Gepäck. Diesbezüglich sei jedoch erwähnt: Chile ist kein besonders günstiges Land und ständige Restaurantbesuche reißen hier schnell dicke Löcher in die Reisekasse. Eine Speise in einem Restaurant (für eine Person) kostet in oft genausoviel wie in Europa. Für den gleichen Preis ist jedoch ebenso ein riesiger Einkauf auf dem Markt möglich, welcher mitunter sogar für mehrere Tage für zwei Personen reicht.

Speisen mit Kürbis und Avocado gab es in den letzten Wochen eine ganze Menge

Da wir uns sehr oft außerhalb größerer Orte in der Natur aufhalten, noch möglichst lange unterwegs sein wollen und uns viel an einer einigermaßen ausgewogenen Ernährung liegt, ist der Kocher im Gepäck für uns persönlich ein absolutes Muss. Seit unserer Ankunft in Chile haben wir jeden Tag selbst gekocht und nur sehr selten etwas fertiges gekauft. Dies macht sich auch stark in unserem Budget bemerkbar. In 74 Tagen haben wir zu zweit gerade mal 542,11 Euro für Essen ausgegeben. Das entspricht 3,66 pro Person und Tag. An den meisten Tagen haben wir drei Speisen zu uns genommen.

Für diesen Ausblick verzichten wir gerne auf Restaurantbesuche und kriechen nach dem Kochen lieber ins Zelt

Wer kostengünstiger Reisen möchte, sich auch viel in der Natur aufhält, auf Campingplätzen übernachtet oder durch kleine Dörfer tingelt, ist mit einer eigenen Kochstelle wesentlich besser bedient. Zumindest wenn die Ernährung nicht dauerhaft auf Rohkost plus Brot mit Avocado oder Erdnussbutter umgestellt werden soll.

Zum Thema Outdoor Kocher findet ihr an dieser Stelle demnächst noch einen ausführlicheren Artikel.

Typisches Campingessen: Mal wieder Linseneintopf mit viel Merkén

Welche Lebensmittel finde ich wo?

Reformhäuser

In chilenischen Reformhäusern ist der Einkauf meist ziemlich teuer. Hier finden sich oft nicht nur Lebensmittel, sondern z.B. auch vegane Hygieneartikel. Mit etwas Suchen konnte ich dort einen Ersatz für mein aufgebrauchtes festes Shampoo sowie aluminiumfreies Deo finden.

Viele der kleinen Reformhäuser bieten zudem eine recht gute Auswahl an Nüssen und Trockenfrüchten. Auch Superfood-Pülverchen, Trockensoja sowie glutenfreie Produkte zählen recht oft zum Sortiment. Veganen Käse, Tofu sowie andere Kühl- oder Ersatzprodukte findet man hingegen nur sehr selten.

Super lecker und ein toller Snack für unterwegs: Die Früchte der Araukarie. Allerdings sind sie nur gegart genießbar.

Supermärkte

Einige der größeren Supermarktketten bieten inzwischen einige pflanzliche Produkte an. Die beste Auswahl in vielen Orten fanden wir bei der Supermarktkette „Jumbo“. Neben verschiedenen pflanzlichen Milchsorten, gibt es dort oft auch eine größere Bio-Ecke, Trockensoja sowie eine Auswahl an getrockneten Früchten sowie Nüssen , welche ebenfalls etwas größer ist als in den meisten anderen Supermärkten. Einige „Jumbos“ führen zudem sogar Beyond Meat Burgerpatties, andere pflanzliche Burgerpatties und vegane Chorizo.

Ein seltenes Fundstück: vegane Chorizo

In so ziemlich jedem Supermarkt sind zudem viele Basics zum Kochen zu finden. Darunter natürlich Reis und Bohnen, Nudeln, Tomatensauce, getrocknete Linsen , Hafer, Couscous, Brot und andere Grundnahrungsmittel.

Deftige vegane Aufstriche sind nur schwer zu finden. Für ein süßes Frühstück gibt es jedoch überall Erdnussbutter sowie Marmelade. Margarine ist hierzulande hingegen in sehr vielen Fällen nicht vegan.

Auch vernünftigen Kaffee (sprich: kein Instant Kaffee von gigantischen Konzernen) aufzutreiben, kann zu einem etwas längeren Spaziergang durch diverse Supermärkte führen. Mit etwas Suchen sind wir hier jedoch (zumindest außerhalb winziger Dörfer) immer irgendwann fündig geworden.

Besser als der Supermarkt: Ein Einkauf beim Gemüsehändler!

Märkte & Fruterias

Obst und Gemüse ist auf den lokalen Märkten sowie beim lokalen Obst- und Gemüsehändler (Fruteria) nicht nur wesentlich günstiger, sondern auch viel frischer als im Supermarkt. Vieles kommt zudem aus der Region. So ziemlich überall (inklusive kleinerer Ortschaften) finden sich Salat, Kräuter, Zucchini, Kürbis, Mais, Kartoffeln, Chilis, Knoblauch, Zwiebeln, Avocados, verschiedene Sorten Bohnen, Kohlköpfe, Paprika, Tomaten, Äpfel, Birnen, Pflaumen, Nektarinen und Pfirsiche.

Pepino Dulce (süße Gurke), Chili und Tomatillo

Abhängig von Jahreszeit und Region sind auch viele Beeren (vor allem Blaubeeren, Brombeeren sowie Erdbeeren) erhältlich. Auch Ananas, verschiedene Sorten Melonen, Auberginen, Blumenkohl und Brokkoli lassen sich in sehr vielen Ecken des Landes auftreiben.

Blaubeeren finden sich im Moment fast überall – oft nicht nur auf dem Markt, sondern ebenso am Straßenrand

Getrocknete Hülsenfrüchte sind auf dem Markt ist wesentlich günstiger als im Supermarkt und aus der Region erhältlich. Die Auswahl ist oft recht vielfältig reicht oft von vielen Sorten Bohnen, über Kichererbsen bis zu Linsen.

Für Gewürze und Trockenfrüchte gilt das Gleiche. Auch hier sind Märkte die bessere Anlaufstelle, um Ware mit Geschmack statt Industriequatsch zu kaufen. Unser Favorit im kleinen Süden Chiles war das in der Region produzierte Merkén.

Merken: Ein typisches Gewürz im „kleinen Süden“ Chiles

Sehr praktisch ist unterwegs auch, dass es auf größeren Märkten häufig auch vorgegartes Gemüse zu finden gibt. Meist ist dies nur zur Mittagszeit der Fall. Oft handelt es sich um verschiedene Salat Mischungen, aber auch Mischungen mit vorgegarten Bohnen und Mais sind öfter erhältlich. Diese sind mit rund 1000 Pesos pro Beutel (entspricht ca. 1,30€) eine praktische Alternative, wenn man gerade keine Möglichkeit hat, selbst Essen zuzubereiten. Da man für den gleichen Preis ansonsten wesentlich mehr getrocknete Bohnen, Mais o.ä. erhält, ist dies natürlich nicht die günstigste Variante an Essen zu kommen – und leider auch nicht die umweltfreundlichste, da als Verpackungen Plastikbeutel dienen.

Einkauf direkt beim Produzenten

Ist man zwischen den Ortschaften mit Fahrrad oder Auto auf Chiles Straßen unterwegs, findet sich oft auch die Möglichkeit direkt beim Produzenten einzukaufen. Was es zu kaufen gibt (oft auch nur ein oder zwei verschiedene Obst- oder Gemüsesorten) verraten Schilder neben den Häusern.

Frisch vom Feld: Erdbeeren

Der Einkauf direkt beim Produzenten ist oft noch günstiger als auf dem Markt und wird oft erst im Moment des Einkaufs geerntet. Wir nutzen diese Option sehr gerne, da wir mit unseren Fahrrädern unterwegs sind und entsprechend überall auch mal kurz stoppen können. Entsprechend haben wir statt zermatschter Erdbeeren lieber genug Zeit im Gepäck, um diese unterwegs einzukaufen und im Anschluss direkt zu verspeisen. In den letzten Wochen haben wir auch diverse Melonen, Kichererbsen, Linsen, Bohnen, Maismehl, Tomaten und viele andere Zutaten direkt bei Produzenten eingekauft. Frischer, regionaler, leckerer und günstiger geht es nämlich nicht – es sei denn, man findet irgendwo einen Obstbaum. :)

Hmmm, frische Aprikosen!

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